Kolloquium für feministische Philosophie

Körper, Geschlecht, Gewalt

Mit dem Wintersemester 2026/27 startet das neue Kolloquium für Feministische Philosophie an der Bergischen Universität Wuppertal. Unter dem Schwerpunktthema „Körper, Geschlecht, Gewalt“ bringt die Veranstaltungsreihe feministische Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche und politische Herausforderungen zusammen.

In öffentlichen Vorträgen und Workshops werden Fragen nach Geschlecht, Macht, Gewalt und gesellschaftlicher Transformation diskutiert. Das Kolloquium versteht sich als Raum für kritische Auseinandersetzung und gemeinsamen Austausch zwischen Wissenschaft und Stadtgesellschaft.

Feministische Philosophie als kritische und transformative Praxis

In Zeiten autoritärer Angriffe auf demokratische Gesellschaften, existenzieller Krisen und eines erstarkenden Antifeminismus braucht es neben geschärfter Analyse und Kritik auch Perspektiven, die den Blick auf die Zukunft öffnen und die politische Vorstellungskraft erweitern.

Die Feministische Philosophie ist aus den Kämpfen für Gleichheit und Geschlechtergerechtigkeit hervorgegangen und bewegt sich seit ihren Anfängen an der Schnittstelle von Theorie und politischer Praxis. Sie hinterfragt historisch gewachsene Denkmuster und gesellschaftliche Machtverhältnisse, untersucht die Bedeutung von Geschlecht für die Subjektbildung sowie das Zusammenwirken unterschiedlicher Formen von Ungleichheit und fragt nach den Bedingungen eines guten Lebens für alle.

In diesem Sinne begreift das Kolloquium Feministische Philosophie als eine kritische, interdisziplinäre und öffentliche Praxis, die sich mit den gesellschaftlichen Herausforderungen der Gegenwart auseinandersetzt und Möglichkeiten der Veränderung eröffnet.

Das Kolloquium bringt Perspektiven aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen und außeruniversitären Kontexten zusammen. Es richtet sich ausdrücklich auch an die interessierte Stadtgesellschaft und lädt dazu ein, gemeinsam zu diskutieren, Positionen zu hinterfragen und neue Perspektiven zu entwickeln.

Wintersemester 2026/27: Autoritäres patriarchales Begehren

Dagmar Herzog

Der neue faschistische Körper.
Ableismus and Affektive Politik vom "Dritten Reich" zum Neuen Rechtsextremismus

Vortrag · 25.11.2026 · 18-20 Uhr
Pina-Bausch-Zentrum

Welche neuen Erkenntnisse über die libidinöse Anziehungskraft diverser Faschismen gewinnen wir, wenn wir Sexualpolitik und Behindertenpolitik gemeinsam betrachten? Und wie hängen das Versprechen transgressiver Lust mit eugenischen Phantasmen und tödlicher Boshaftigkeit gegenüber Unvollkommenheit zusammen? Dagmar Herzogs Buch Der neue faschistische Körper befasst sich mit den komplexen Wechselwirkungen zwischen den Vergangenheiten der 1890er bis 1930er Jahre und unserer postmodernen Gegenwart der 2020er, wobei ein besonderes Augenmerk nicht nur auf den „sexy Rassismus“ und die obsessive Behindertenfeindlichkeit, sondern auch auf das Vergnügen an forcierter Widersprüchlichkeit gerichtet wird, die allesamt den Aufstieg der AfD beflügelt haben.

 

Über die Referentin

Dagmar Herzog ist US-amerikanische Historikerin und Professorin für Geschichte am Graduate Center der City University of New York. Sie forscht zur Geschichte von Sexualität und Gender, zu Holocaust-Erinnerung und Religion und Theologie in der Moderne – und zu den Verbindungen zwischen Sexualmoral, Faschismus und Gewalt.

 

Die Veranstaltung findet anlässlich des Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen (Orange Day) statt und wird durch die Soroptimistinnen Clubs Wuppertal unterstützt. 

Eva von Redecker

Faschismus als verschobener Eigentumsrausch

Vortrag · 18.01.2027 · 18-20 Uhr
Pina-Bausch-Zentrum

Weltweit greifen rechte Tendenzen um sich. In Deutschland herrscht eine rege Debatte darum, ob es “schon” gerechtfertigt sei, von Faschismus zu sprechen. Eva von Redecker argumentiert, dass sich diese Frage überhaupt nur angehen lässt, wenn man sich über die Definition des Begriffs verständigt. Sie schlägt vor, faschistische Politik von Populismen und Autoritarismen abzugrenzen, insofern diese gegenstandslose Besitzansprüche eliminatorisch verteidigt. Der Faschismus wendet sich an vermeintlich geprellte Eigentümer und bietet ihnen eine ultimative Lizenz zur Gewalt – kein geringes Versprechen in einer Zeit, in der vielen die Zukunft selbst fraglich erscheint. Der Vortrag wird die Faschismusdefinition vorstellen und auch darauf eingehen, welche Ursachen und Gegenstrategien durch sie in den Blick kommen.

 

Über die Referentin

Eva von Redecker lebt als Philosophin und Autorin im ländlichen Brandenburg. Ihre Texte, die in 15 Sprachen übersetzt sind, beschäftigen sich mit verschiedenen Facetten der Eigentumsgesellschaft. Im akademischen Jahr 2026/2027 ist sie Gastprofessorin für Philosophie an der HfbK Hamburg.

 

Begleitender Workshop

Zeit: 19.01.2027 · 12–16 Uhr
Ort: Gästehaus am Freudenberg

Informationen zu Anmeldung und Inhalten folgen.

Sommersemester 2027: Femizide und sexuelle Gewalt

Susanne Kaiser

Rechte Frauen – wie sich Tradwives, Rechtspopulistinnen und Christfluencerinnen Feminismus aneigenen

Vortrag · 04.05.2027 · 18-20 Uhr
Pina-Bausch-Zentrum

Frauen spielen eine zentrale Rolle für den Rechtsruck: Giorgia Meloni in Italien, Marine Le Pen in Frankreich, Alice Weidel in Deutschland, um nur die Prominentesten zu nennen. In den sozialen Medien werben Tradwives für einen Lebensstil wie in den 1950er Jahren, und christliche Influencerinnen erklären ihren Followerinnen, warum Ehe besser ist als Karriere. Ihre Botschaft: Unterwerfung ist Selbstermächtigung.

Informationen zur Teilnahme

Das Kolloquium für Feministische Philosophie richtet sich an alle Interessierten innerhalb und außerhalb der Universität. Vorkenntnisse in feministischer Philosophie sind nicht erforderlich. Die öffentlichen Abendvorträge bieten Raum für die Auseinandersetzung mit aktuellen feministischen Positionen und gesellschaftspolitischen Fragen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In begleitenden Workshops besteht die Möglichkeit, ausgewählte Themen zu vertiefen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Um Anmeldung wird gebeten.

ANMELDUNG WORKSHOPS